/ Autor: torstenreitler

With a little help

Im Rahmen einer Kulturpatenschaft unterstützt die windwerker human performance factory GmbH  die Moritzbastei mit Beratung und Evaluierung vorhandener Arbeitsstrukturen.

Im vergangenen Jahr feierte die Moritzbastei ihren 40. Geburtstag. Wer von euch diese Zahl aus persönlicher Lebenserfahrung kennt, weiß, was das heißt. Um es mit Faith no more zu singen:

An der Wiege des Veranstaltungsorts Moritzbastei standen DDR, FDJ und ein Kulturbegriff zwischen Hippiekommune und Kampfreserve der Partei. Auch nach dem Ende der DDR und der Gründung der Stiftung Moritzbastei und der Moritzbastei Betriebs GmbH 1993 brauchte es noch eine ganze Weile, um aus diesen Kinderschuhen zu wachsen. Erinnert sich noch jemand an Leipzig in den 1990ern? Vom heutigen Subkultur-Overkill wagte man damals nicht einmal zu träumen. Wochenendtouristen vertrieben die Szene aus dem Barfussgäßchen in die Karli und die Gottschedstraße. Konzerte gab es in der naTo, dem Eiskeller oder der MB. In Reudnitz ging die Sonne auf, in Plagwitz ging sie unter, mehr war dort nicht zu erwarten. Wir waren wahrscheinlich der einzige Klub der Stadt, in dem man regelmäßig feiern gehen konnte.  Die Leute kamen zu uns, also war alles gut. Kein Grund, sich Gedanken zu machen.

Long time ago, die Zeiten ändern sich. Mit der Jahrtausendwende begann in Leipzig das zu entstehen, was heute die kreative Anziehungskraft der Stadt ausmacht. Wer geht heute noch in die Innenstadt, wenn er etwas vom sagenumwobenen Nachtleben Leipzigs mitbekommen will? Eben.
Hinter den Kulissen ist die Uhr auch nicht stehen geblieben. Die meisten derer, die in der MB Verantwortung tragen, sind treue Seelen und meist länger als 10 Jahre im Team. Viel Professionalität und Erfahrung haben sich angesammelt. Aber Frische, Unbedarftheit und Hunger auf Neues lassen sich dadurch nicht ersetzen.

Wir haben seit vielen Jahren Besucher verloren. Ein Grund dafür ist das sich ausfächernde Angebot in Leipzig, die Ausdifferenzierungen in Nischen und Trends, die Gemischtwarenhändlern wir uns das Leben schwer machen. Wir haben das immer zu kompensieren gewusst, unser Programm den Gegebenheiten angepasst und unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit bewahrt.
Diese Entwicklung hat sich in den vergangenen beiden Jahren noch einmal rasant verstärkt. Nicht nur die Eröffnung weiterer Spielstätten, Clubs, Bars und Konzerthäuser in der Stadt, auch die Einführung des Mindestlohns hat den ökonomischen Druck auf unsere Arbeit enorm erhöht.

Für uns wurde es damit höchste Eisenbahn,  einen Blick in den Spiegel zu werfen. Was muss sich verändern, damit in der MB alles bleiben kann, wie es ist? Was bedeutet der Stiftungsauftrag, „die (…) Moritzbastei als historisches Bauwerk und als Forum kultureller Begegnung im studentischen und akademischen Leben von Leipzig (zu erhalten, d.A.)“ ? Erfüllen wir ihn überhaupt noch, und wenn ja, wie? Wirtschaftlich sind wir auf Kurs, aber machen wir das Beste aus unseren Möglichkeiten? Sind  unsere BesucherInnen und Gäste glücklich in der MB?

In den letzten Beiträgen hier im Blog klang diese Art Standortbestimmung ja schon an. Durch Vermittlung der Leipziger Kulturpaten unterstützt uns Grit Mestenhauser von den Windwerkern als Gesprächsleiterin. Seit Januar 2015 sind wir jetzt in der Diskussion, Auftakt war ein Workshoptag mit knapp 40 (!) unserer MitarbeiterInnen. Dieses tolle Interesse und die Bereitschaft, sich einzubringen, beflügelt natürlich. Wir arbeiten seitdem in einer von allen MitarbeiterInnen bestimmten Strategiegruppe, um den Kurs für die kommenden Jahre zu stecken. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse, ihr dürft es auch sein.