/ Autor: torstenreitler

160 Sekunden, ein Jahr

Der Trailer lieferte ja schon einen kleinen Vorgeschmack. Heute präsentieren wir stolz den kompletten Zeitrafferfilm, den wir während des vergangenen Jahres produziert haben. Wenn er euch gefällt, dann liked und teilt und schaut ihn euch noch einmal von vorne an!

Die Geschichte hinter dem Projekt ist folgende: Im vergangenen Jahr produzierten zwei unserer Veranstaltungstechniker einen schönen Zeitrafferfilm, der einen Tag Moritzbastei zusammenfasste. Einen Mittwoch in den Schulferien mit Kinderkino, Song Slam, All you can dance, danach die nächtliche Reinigung. Dieser feine, kleine Film brachte uns auf die Idee, die MB mal im Jahreslauf abzulichten. Gemeinsam mit Josi und unserer damaligen Praktikantin Christina wählten wir vier Motive, bei denen wir uns vorstellen konnten, dass sie für einen Zeitraffer interessant sein könnten.

Das Fotografieren war die erste Herausforderung. Aus Zeiten meines Journalistikstudiums, das noch einen eigenen Bereich Fotojournalismus umfasste,  besitze ich noch ein Semiprofi-Stativ, das war schon mal ein guter Anfang. (An dieser Stelle sei Dr. Jochen Schlevoigt gedankt – seine Ausbildung in Theorie und Praxis der Presse- und Reportagefotografie schätze ich bis heute. Es herrschten geradezu paradiesische Zustände –  Mittelformat- und Spiegelreflexkamera wurden zu den Seminaren gestellt, ebenso Klein- und Rollbildfilme. Das Labor in der Schillerstraße war kostenlos und praktisch rund um die Uhr nutzbar… lange ist’s her.)

Also wurden Markierungen auf den Mauern der MB, auf dem Balkon der Mensa und im Park hinter der Moritzbastei angelegt. Auf den Mauern mussten sie nur einmal erneuert werden, im Park hatte ich Kronenkorken in den Boden gedrückt. Die waren nach ein paar Tagen verschwunden, Kehrmaschine sei dank. Also habe ich mir drei Schrauben geschnappt und die Korken in den Boden geschraubt. Die leichte Veränderung kann man in der Serie entdecken – auf den ersten Bildern ist noch eine kleine Mauer rechts neben der Platane sichtbar, dann verschwindet sie dahinter.

Übers Jahr haben drei Leute fotografiert. Meine Wenigkeit, bis Ende Juni Christina und ab dann Giovanni, die beide ein mehrmonatiges Praktikum bei uns absolvierten. Da ich meine Kamera im August mit in die Ferien nahm, half Giovanni mit seiner für drei Wochen aus. Womit genügend Quellen für Abweichungen beisammen waren. Alleine der tägliche Auf- und Abbau wäre für einen ordentlichen „Wackelfaktor“ ausreichend gewesen…

Die Erstellung des Zeitraffers nahm dann entsprechend viel Zeit in Anspruch. Die Belichtung musste nachgeregelt werden, und natürlich die Verschiebungen in den Einzelaufnahmen einander angepasst werden. Auch wenn Photoshop CS6 da ein paar gute Automatismen anbietet, erwies sich das als tüchtige Fummelei. Es gibt auch Programme wie LRTimelapse, aber die sind eher geeignet für „klassische“ Zeitraffer, bei denen die Kamera einmal aufgestellt wird und dann die komplette Serie in einem Zug durchfotografiert wird und somit keine Korrekturen der Sichtachse notwendig sind.

Am Ende habe ich mich für den guten alten Windows Moviemaker entschieden, jede vergleichbare Standardsoftware hätte es sicher auch getan. Das Ergebnis ist sicher nicht High-End, jedes Hipster-Instagram-Erstsemester hätte optisch etwas stylischeres hingelegt. Aber ich bin ein alter Sack, und diese ganzen Crossentwicklungsfilter sind mittlerweile auch sowas von Individualistenmainstream… 😉

Gespannt bin ich, wie sich der Film in 10 Jahren anschaut. Die größten Veränderungen an der MB und der Universität scheinen ja seit den Großumbauten der letzten zehn Jahre Geschichte zu sein. Aber wer weiß das schon zu sagen? Die Stadtwerke-Werbung auf dem Europa-Haus habe ich während des Fotografierens zum Beispiel nicht entdeckt. Die beiden modernistischen Großspielgeräte (man sieht auf den Bildern nur die Baustelle) wurden auch während des vergangenen Jahres aufgebaut. Und wer weiß, ob es das WGT in dieser Form in zehn Jahren noch gibt? Oder youtube?

Im besten Fall ist der Film also eine Momentaufnahme der MB- und Stadtgeschichte, der mit den *ähem* Jahrhunderten reift. Heimatkunde für Nerds, sozusagen. Mir würde es aber schon reichen, wenn ihr zweieinhalb Minuten Spaß damit habt.

PS: Ein wenig Eitelkeit in eigener Sache habe ich mir am Ende noch gegönnt. Auf der Suche nach Hintergrundmusik mit youtube-Unbedenklichkeit erinnerte ich mich daran, dass es da mal eine Band gab, die ziemlich viel Instrumentalmusik gespielt hat und es nie schaffte, ihre Stücke bei der Gema anzumelden. Meine Band copola. War das ganze Geprobe und Aufgenehme wenigstens nicht ganz umsonst. 😉