/ Autor: torstenreitler

Eisler, Lennon, Faust.

Hoppla, das ist ja mal Namedropping vom Feinsten. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten höchstens noch der gutgemeinte Versuch, durch berühmte Namen Aufmerksamkeit zu erringen. Wer kennt heute schon noch Hanns Eisler, John Lennon, Johannes Faust? Eben.
Dass erstgenannter in Leipzig praktisch in Vergessenheit geraten ist, obwohl er 1898 in der Hofmeisterstraße 14 nahe dem Hauptbahnhof geboren wurde, ist tragisch und sagt vieles über das, was die hiesige Kulturpolitik unter „Musikstadt Leipzig“ versteht. Im Prestigeprojekt der „Notenspur“ ist Eisler kaum eine Fußnote wert. Er passt wohl nicht ins klein- bis mittelbürgerliche Konzept, dieser Anti-Bürger und kongeniale Partner von Bertolt Brecht. Grund genug, ihm zum 50. Todestag mit drei Veranstaltungen ins Bewusstsein zurückzuholen.

Wie kommen aber nun John Lennon und Johannes Faust zu der Ehre, mit Hanns Eisler in einem Atemzug genannt zu werden? Klingt interessant, ist es auch. Los geht es am 6.9. mit Thomas Freitag, der in seinem Roman „Das Neue, so merkwürdig…“ John Lennon und Hanns Eisler Anfang der 1960er Jahre in einem Londoner Pub zusammen treffen läßt. Dort reden sie über den Hamburger Sound, Gitarren als Macht, über Sozialismus und die Aufgabe von Musik und Musikern in der Gesellschaft. Auch wenn diese Gespräche fiktiv sind – dass sich der „Komponist der Arbeitklasse“ Eisler und der „Working class hero“ Lennon politisch nahe standen, ist anzunehmen. Mehr über Lennons Zeit als Politaktivist kann man übrigens in der absolut sehenswerten Doku LENNON, NYC verfolgen (bis zum 2.9. noch in der ARTE-Mediathek).

Am 10.9. geht es dann mit Gesprächen weiter, die tatsächlich stattgefunden haben. Ende der 1950er Jahre unterhielt sich der Autor Hans Bunge mit Hanns Eisler über Musik, die Kommunistenverfolgung in der McCarthy-Ära in den USA und das politische Klima in der jungen DDR. Seine Tochter Sabine Berendsen hat die Gespräche ins Englische übertragen und transkribiert. Der Abend „Fragen Sie mehr über Brecht!“ dreht sich multimedial mit Originalaufnahmen, Bildern und von Eisler persönlich eingespielten Tonaufzeichnungen um diese Gespräche. Übrigens auf Englisch.

Als drittes folgt ein musikalisches Wagnis, das Eisler sicher gefallen hätte. Die Leipziger Pianist und Komponist Stephan König, die Sängerin Ines-Agnes Krautwurst und der Schauspieler Wolfgang Schmidt nehmen sich Eislers unvollendetes Opernlibretto „Johann Faustus“ vor und interpretieren den Stoff mit ihren musikalischen Mitteln. Das Programm begeisterte vor Jahren Kritiker und Publikum, aus Anlass des 50. Todestages Eislers bringen sie es einmalig noch einmal gemeinsam auf die Bühne.