/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Juli

Gedanken sind dazu da, sie sich zu machen. Hirnforscher streiten ja seit langem darüber, ob die Gedanken sich selbst machen oder gemacht werden. Der freie Wille werde überschätzt, sagt die Wissenschaft, alles Biologie, Chemie und Physik. Wir sind die Roboter, sangen Kraftwerk, ferngesteuert von Genen und interzellularen Funktionsalgorithmen. Klammer auf: wie diese kleinen Biocontroller es geschafft haben, uns zu zwingen, das Wort „Funktionsalgorithmen“ zu verwenden, wäre allerdings schon interessant: Klammer zu.

Wenn alle Größe und alle Tragik unserer Existenz also am Ende nichts als molekulares Rauschen und wir nur mehr oder weniger schön geformte Biotonnen sind – ja, was soll dann der ganze Quark? Leben, Sterben, zwischendurch nichts als Stress. In der Gesamtbilanz bleiben Masse und Energie immer gleich, das gilt vom Urknall bis heute. Da ist doch Boogie, ob wir als Gänseblümchen, Student oder atomarer Restmüll auf der Erde (oder sonst wo im Universum) weilen. Oder wie?
Aber eigentlich sollte es hier ja um den Sommer gehen und ein bisschen um Organtransplantationen. Letzteres eher schelmisch, so in die Richtung, dass die Zombies aus dem Castingfernsehen ihre Organe doch Leuten mit Talent transplantieren könnten, die aber stimmlich vom Gottvati nicht so gut versorgt wurden. Wenn Rentner neue Hüften kriegen dürfen, warum dann nicht auch neue Stimmbänder? Ozzy Osbourne oder Bob Dylan wäre es zu gönnen.

So sind wir aber bei Biologie, Determinismus und Hirnforschung gelandet. Dabei sind bald Ferien, der Asphalt kocht und der Cossi hat Badewannentemperatur! Zeit also, die Hirnamöben in den Urlaub zu schicken. Bis September!

2 Kommentare

  1. HerbertPhilosophus

    „Gedanken sind dazu da, sie sich zu machen.“

    Ja, wie machen Sie denn Ihre Gedanken?
    Wie kommt es, dass Ihnen laufend Gedanken „einfallen“, ohne dass Sie diese gemacht haben?
    Wie kommt es, dass Ihnen Gedanken (etwa die Erinnerung an eine Verabredung) nicht genau dann einfallen, wenn Sie sie benötigen? Eine halbe Stunde später fällt Ihnen die Verabredung ein, und Sie fragen sich beunruhigt: „warum ist mir das nicht früher eingefallen?“; denn aktiv, selbstbestimmt, bewusst aufrufen (also machen) konnten Sie sich den Gedanken eben nicht!

    Mehr Beispiele aus dem wirklichen Leben und eine Diskussion der Konsequenzen findet man in: Andreas Eisenrauch: Der Einfall und die Freiheit -Lebensweltliche Indikatoren der Unfreiheit menschlichen Denkens. BoD Norderstedt 2012. ISBN 978-3-8482-0487-8

  2. Haha, Philosophischer Spam. Sachen gibt´s!
    Dann doch lieber V14GR4 & Co.
    Da weiß man wenigstens, wofür´s gut ist…

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