/ Autor: torstenreitler

Das Wort zum Februar

Manchmal ist man sich inmitten dieses Informationssalates nicht ganz sicher, ob überhaupt jemand unser kleines monatliches Editorialsräupchen überhaupt findet. Darum gibt es immer mal wieder Lücken. Aufgrund der Bitte einer einzelnen Dame werde ich versuchen, die Monatsworte wieder regelmäßig hier einzustellen.
Wer definitiv nichts verpassen will, greift ganz analog zu unserem Programmheft, welches seit ein paar Tagen wieder in der ganzen Stadt ausliegt.

Und im Februar widmen wir uns Sigmund Freud, Skiausrüstungen und dem Messie-Syndrom.

Keller. Mystische Räume. Wir in der Moritzbastei können davon natürlich – Kultur wird bei uns groß geschrieben – ein Lied davon singen. Bei Sigmund Freud, der die Persönlichkeit des Menschen ja mit einem Haus verglich, symbolisiert der Keller das Unterbewusstsein. In der Winterzeit kann der Gang hinunter zum Erlebnis werden. Man will nur schnell nach der Skiausrüstung schauen, und zwei Wochen später taucht man spinnenbewebt mit dem Ruf auf: „Schatz, ich habe die Rolle Küchentapete von 1993 wiedergefunden!“.

Wer unter den Mitlesenden keinen Schatz hat oder zum Beispiel erst 1993 geboren wurde, der mag das noch vor sich haben. Der Gerümpelstand des Kellers steigt erwiesenermaßen proportional zu Lebensalter und Familiengröße. Während die Kellerräume von Studenten-WGs meist daran zu erkennen sind, dass hier außer ein paar nicht mehr gehörten MP3s und überlagerten Downloads höchstens noch ein Fahrradrest und Mamas Geburtstagsblumen von letztem Jahr lagern, sieht das bei berufstätigen Mittdreißigern schon ganz anders aus.

Schauen wir zurück zu Sigmund Freud, so drängt sich der vulgärpsychatrische Kurzschluss auf, dass Menschen mit zunehmendem Lebensalter ja auch mental ganz schön viel ansammeln. Jedes Jahr kommen schließlich ein paar Erkenntnisse, ein paar Erfahrungen und mehrere Tonnen Informationsmüll dazu.
Wir empfehlen auf jeden Fall – auch da sprechen wir als Kellerologen mit unbestrittenem Sachverstand – zu regelmäßiger Entrümpelung.

Mindestens einmal im Jahr sollte man Abgelegtes entsorgen. Dinge, die man länger als 12 Monate nicht gebraucht hat, können weg. Das gilt für materielles wie mentales. Wissen, Klamotten, auch Freunde. Die Wirkung ist befreiend und hält sogar eine Weile an. Bis zum nächsten Winter, bis zum nächsten Blick auf die Skiausrüstung.

Wer Nachschlag möchte, findet hier die Worte zum Dezember und Januar nachgereicht.