/ Autor: torstenreitler

Das 13. Türchen

Heute mal ein Griff in die Merkwürdigkeiten-Kiste. Am 29. Oktober 1977 spielte James Booker ein Konzert in der Moritzbastei. Was ist daran merkwürdig? Nun, Booker war ein ziemlich gefragter Jazz-Pianist aus den USA, lange Jahre mit Aretha Franklin auf Tour. Die Liste derer, mit denen er im Studio war, reicht von B.B. King bis zu Ringo Starr. Sein Hit „Gonzo“ soll angeblich Namensgeber für den Gonzo-Journalismus gewesen sein. Was das ist? Lies nach bei Hunter S. Thompson, Fear and loathing in Las Vegas.

Na gut, Booker war ein Exzentriker. Wikipedia sagt: „Ein letzter Versuch sich von seinen Drogenproblemen zu befreien scheiterte kurz vor seinem Tod: Eine Anstellung als Bürogehilfe im Rathaus von New Orleans verlor er wegen permanenter Dienstunfähigkeit.“ Aber Exzentriker haben schon viele in der Bastei gespielt. So what?

So that: 1977 war die Moritzbastei noch eine Baustelle. Der erste Bauabschnitt wurde 1979 der Öffentlichkeit übergeben. Booker, dessen Konzertform als unberechenbar galt, spielte der Überlieferung nach ein grandioses Konzert. Und jetzt kommts: In unserem Archiv lagert eine LP mit dem Mitschnitt dieses Konzerts! Ein gewisser Klaus-Jürgen Heinicke veröffentlichte dieses Dokument 1991, angeblich gepresst in der letzten Schicht vor der Abschaltung der AMIGA-Tonpressen in Babelsberg. Die letzte Amiga-LP, aufgenommen 1977 in der Tropfsteinhöhle der Moritzbastei.

Selbst, wenn das mit der „letzen AMIGA-Platte“ nicht stimmt (die Platte gibt es schon, sie liegt gerade auf meinem Schreibtisch!) – schöne Geschichte.

6 Kommentare

  1. Hans-Jürgen Foth

    Hey,
    Die Sache mit den tausend gepressten Lp’s stimmt, es waren die letzten“roten Amigas“. Klaus-Jürgen Heinicke war wurde mein Freund nach einer Geburtstagsfeier in der Wohnung von Wolfgang Quander.
    KJ. hat mir die unbekannte Seite von Berilin (Ost) gezeigt, dort wo er seine Boxer trainierten, man das beste Eisbein serviert bekam, die Dunkerstrasse und vieles andere mehr ! ( sein Jazzwissen )
    Auch habe ich erfahren, dass sein Sohn Lennart bei Louis Armstrong
    auf demSchoss gesessen hat.
    Aber, es war nicht leicht mit ihm auszukommen ( Exzentriker ) .
    Als Gegenleistung habe ich ihm Hamburg gezeigt, z.B. die Ritze auf
    St.Pauli mit Kutte dem Wirt.
    Es war für mich selbstverständlich bei seiner Beerdigung dabei zu sein
    mit Jazzern und Boxtrainern. keep swingin‘ Jürgen Foth

  2. Hallo Jürgen, danke für die Rückmeldung und die Bestätigung für die Geschichte. Viele Grüße nach Hamburg, Torsten

  3. Walter Cikan

    Sehr geehrter Herr Reitler,

    ich habe damals beim Rundfunk der DDR / HA Musik gearbeitet. Ein Konzertmitschnitt von James Booker ist im Musikarchiv des DRA nicht zu finden. Es kann aber sein, daß das Konzert von einem Leipziger Ü-Wagen mitgeschnitten und in Leipzig archiviert wurde. Vermutlich hat Herr Heinicke einen 19er Umschnitt bekommen, den er dann in den wirren Wendezeiten veröffentlicht hat. In den AMIGA-Archiven ist dieser Mitschnitt natürlich auch nicht zu finden.
    Ich habe mir die Platte inzwischen auch besorgt (sowohl bei iTunes als auch auf Vinyl) Ein tolles Konzert, schade, daß ich nicht mit dabei war!
    Aufmerksam hat mich eine junge Frau aus New Orleans gemacht, die dort mit einem Jazzpianisten (Sanford Hinderlie) verheiratet ist. Der wiederum kannte James Booker gut und wußte von ihm, daß er in der DDR (behind the wall) aufgetreten ist.

    Ich habe in der Moritzbastei übrigens das gemeinsame Konzert von MTS und Possenspiel(EKI) am 21. und 22. Januar 1986 mitgeschnitten.

    Beste Grüße
    Walter Cikan

  4. Hallo Herr Cikan,
    Danke für Ihre Nachricht! Toll, was für schöne Geschichten um dieses Konzert hier zu Tage gefördert werden… Es ist eben doch nicht alles schlecht am Internet. 😉
    Viele Grüße,
    Torsten Reitler

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